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ÜBER
LA VERA STORIA edizione 2002
di Luciano Berio, testi di Italo Calvino
Regia Henning Brockhaus
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Buxtehuder Tagblatt
17. September 2002
von Harald Gillen |
HOFFNUNG AUF DAS ENDE DER QUALEN
Berios "La vera Storia" mit Milva
in der Hamburgischen Staatsoper stieß auf Zustimmung

Der Clou des Abends war der
Auftritt von Milva, die mt ihrer voluminösen Chanson
Stimme kommentierende Lieder einer Passantin sang. foto:
Arno Declair
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Mit der Bitte um Frieden, der Hoffnung auf die Überwindung
des Bösen und der Trauer um alle, die nicht mehr zurück
ins Leben kehren, endete bewegend die deutsche Erstaufführung
von Luciano Berios Oper "La vera Storia" (Die wahre Geschichte)
in der Hamburgischen Staatsoper.
Sie hatte den Premierenreigen der neuen Spielzeit nun schon traditionell
mit einem modernen Werk eröffnet, das diesmal dem in der Musik
des späten 20. Jahrhunderts Geübten keine und dem Konservativen
nur geringe Probleme bereitet.
Berio, einer der Namhaften der neueren italienischen Musik, hat
auf Texte von Italo Calvino (dessen Romane auf deutsch vorliegen)
und von ihm selbst eine eher philosophische als actionsbetonte Auseinandersetzung
mit den Geißeln der Menschheit verfasst Tyrannei und
Unterdrückung, Widerstand und Aufruhr, Kriegsgeschrei und Friedenssehnsucht
markieren das ewige Ringen. Zwar hat Berio ein Handlungsgerüst
mit Versatzteilen aus Verdis "Troubadour" den die Staatsoper
im Frühjahr neu inszenieren wird, gebaut eine rächende
Mutter raubt das Kind des Mörders, zwei Männer kämpfen
gegeneinander, die nicht wissen, dass sie Brüder sind
doch das sind nur Randerscheinungen in der Abfolge der Massenszenen.
Der wahre Ort der Oper ist ein Fest, in dem sich Menschen maskieren
und entlarven, in dem sie mit unbekanntem Ziel den Weg des Guten
wie des Bösen beschreiten. Die überwiegend poetischen,
auf einfache philosophische Formeln gebrachte Texte freilich laufen
Gefahr, in ihrer Allgemeinverbindlichkeit unverbindlich zu wirken;
die wahre Not des Menschen manifestierte sich nur selten.
Die Musik, der klassischen italienischen Moderne, etwa Dallapiccolas
"Der Gefangene" (mit einem ähnlichen, aber unmittelbaren
berührendem Thema) eher zugehörig als den radikalen Neutönen
der Nono-Opern, ist lyrisch gehalten mit heftigen Ausbrüchen
des Chores und des geballten Blechs und Schlagwerks, die Gesangslinien
sind arios in oft gleichbleibend blühender Kantilene, der Schlussgesang
steigerte alle Eindrücke triumphal.
Das war auch nötig, denn nach dem ersten Teil hatte Berio Bruchstücke
des Gehörten als Collage aus Zitaten neu montiert (in der Erkenntnis,
dass es nicht immer nur eine Wahrheit gibt), musikalisch dabei an
Boden verloren.
Das überwiegend freundlich gestimmte Premierenpublikum nahm
die edle Absicht des Komponisten zustimmend zur Kenntnis. Viele
schöne Stellen und dramatisch geschärfte Passagen waren
zu hören: die große Erschütterung gab es für
mich (und sicher viele andere) erst in den letzten zehn Minuten.
In Hamburg hatte man Berios Oper den denkbar besten Auftritt bereitet.
Auf Ezio Toffoluttis Renaissance-Stadtplatz mit verschiebbaren Häusern
und auch dank Patricia Toffoluttis Kostümausstattung gelang
Henning Brockhaus ein geordnet turbulentes Spiel, das viel fürs
Auge bot, zumal Chor (glänzend einstudiert von Florian Csizmadia)
und Bewegungsstatisterie der Staatsoper alle Gemütsbewegungen
von Zorn, Hoffnung und Trauer voll auskosteten. Ingo Metzmacher
am Pult der blendend aufgelegten Philharmoniker dirigierte das anspruchsvolle,
aber nicht besonders komplizierte Werk mit Elan und Übersicht.
Natürlich war der Auftritt von Milva der Clou des Abends. Sie,
die schon vor rund 20 Jahren bei der Uraufführung in der Mailänder
Scala dabei war, sang mikrophonunterstützt mit ihrer voluminösen
Chanson-Stimme kommentierende Lieder einer Passantin, die Berio
mit untrüglichem Sinn für Milvas Einzigartigkeit auf sie
komponiert hatte. Dass Milva im zweiten Teil kaum auftrat, war auch
ein Grund für das Absinken der Spannung.
Yvonne Naef, wie Milva vom Publikum besonders ausgezeichnet, hatte
das ganze Finale für sich allein, Hellen Kwon, Paul Lyon, Ashley
Holland, Andreas Hörl und Rainer Maria Röhr waren gute
Solisten.
© Buxtehuder Tageblatt
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