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ABOUT "MARIA DE BUENOS AIRES"
BY ASTOR PIAZZOLLA AND HORACIO FERRER
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Darmstädter
Echo
20.04.2002
by Heinz Zietsch |
MARIA LEBT
EWIG
Milva: Die italienische Sängerin
in Astor Piazzollas Tango-Oper im Staatstheater Darmstadt
DARMSTADT. Am Ende zeigt sie noch einmal, welch enorme Stimmkraft
in ihr steckt: Milva entledigt sich ihres Mikrofons, das mit sattem
Aufschlag zu Boden fällt. Sie beherrscht ihr Metier, versteht
geschickt dynamisch zu steigern, unterstützt von einem geradlinigen
Vibrato. Dann nimmt sie den Ton wieder zurück. Sie vermittelt
Hochspannung und Ausstrahlung als Maria, der Titelpartie in Astor
Piazzollas Tango-Oper "Maria de Buenos Aires".
Am Donnerstag gastierte sie damit zusammen mit dem neunköpfigen
Ensemble Tangoseis und weiteren Darstellern im Großen Haus
des Staatstheaters Darmstadt, der letzten Station ihrer Tournee.
"Danke, Darmstadt" sagte sie nach dem gut zweistündigen
Abend. Sie war begeistert vom Darmstädter Publikum, das ebenso
begeistert der italienischen Chansondiva zujubelte. Schließlich
beherrscht Milva die Gesten, die manchmal Umarmungen gleichen, mit
denen man ein Publikum für sich gewinnt.
Den Tango indes tanzt sie nur andeutungsweise. Gleichwohl hat Piazzolla
Milva für seine ideale Maria gehalten. 1984 hatte er sie kennen
gelernt. Doch erst 1999 wagte sie sich an das Stück. Der Text
des aus Uruguay stammenden Horacio Ferrer umschreibt Maria als eine
Personifizierung der argentinischen Hauptstadt. Querverbindungen
zur biblischen Maria ergeben ein Nebeneinander von Heiligem, Profanem
und Erotischem. Wie die Stadt Buenos Aires darf auch Maria nicht
sterben und muss immer wieder neu auferstehen. So wie der Tango,
der lange brachlag und in den letzten Jahren seine Renaissance erfuhr.
Dazu hat natürlich auch die Musik Piazzollas beigetragen, der
Tango, Jazz und Kunstmusik (Einflüsse von Debussy und französischem
Neoklassizismus vor allem) miteinander verband und so den Tango
zur Kunstform weiter entwickelte. Piazzolla verbindet in seiner
"Maria" Kammeroper, Melodram, Revue und Moritat zu einem
Musiktheaterstück, das mit viel Licht und Bildprojektionen
auf die Bühne (Regie: Kuniaki Ida) gebracht wird.
Den Tango legt dann ein Tänzerpaar (Ricardo Barrios und Marina
Fuhr) aufs Bühnenparkett. Wie eine Schlange scheint die Tänzerin
ihren Körper um ihren Partner zu winden. Die erotische Kraft
des Tango ist unübersehbar. Daniel Bonilla Torres führt
als Erzähler, als geheimnisvoller Duende in das Geschehen hinein.
Mit weicher Stimme und vielen Verschleifungen des Spanischen, wie
sie in Argentinien typisch sein sollen, vertritt José Angel
Trelles Marias Männerbeziehungen.
Trotz elektronischer Verstärkung bleibt das famose Spiel des
Begleitensembles erstaunlich transparent. Großartig der Bandoneonvirtuose
Gilberto Pereyra, der stehend aufspielt und mit seinem Instrument
förmlich verwächst. Schließlich besingt Maria die
Verführungskünste des klanglich dominierenden Bandoneons.
© Darmstädter Echo
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