| |
A PROPOSITO DI...
MARIA DE BUENOS AIRES 2002,
tour in Germania, Olanda e Giappone aprile/maggio 2002,
regia Ida Kuniaki
| |
|
Kölner
Stadt-Anzeiger
12.04.2002
di Martin Woltersdorf |
DIE TRIEBE TANZEN TANGO
Milva begeistert im Kölner Schauspielhaus
als Maria de Buenos Aires nicht nur durch ihren Gesang, sondern
auch durch ihre Körpersprache.

Milva begeistert im Kölner Schauspielhaus
als Maria de Buenos Aires nicht nur durch ihren Gesang,
sondern auch durch ihre Körpersprache.
|
|
Die deutsche Erstaufführung einer Operita
von Piazzolla und Ferrer mit Milva in der Titelrolle.
Maria stirbt, bevor sie so richtig zu leben beginnt, meuchlings
ermordet. Jahre (und eine Pausenlänge) später, erweckt
sie El Duende, eine dämonische Figur. Und wozu? Um sie noch
einmal durch die Düsternis des Daseins zu führen, zwischen
Huren, Zuhältern, Dieben, Trinkern. Das ist, grob skizziert,
die Story von "Maria de Buenos Aires".
Die argentinische Hauptstadt pulsiert, aber auf der Schattenseite,
ohne Glanz und Größe. Man spürt es, sieht es aber
nicht. Das Libretto, das Horacio Ferrer Ende der 60er Jahre zu "Maria
de Buenos Aires" verfasste, klingt also keineswegs nach kollektivem
Frohsinn. Um so besser kommt in dieser morbiden Melange Astor Piazzollas
Musik zum Tragen: Melancholisch, dramatisch, euphorisch, selbst
in der Heiterkeit traurig, und trotz Wehmut da wie dort heiter,
ein wenig nur.
Geier über der Stadt
Kreiste über Buenos Aires eigentlich schon immer der Geier?
Nein, nein, wiegelte Milva in einem Vorgespräch ab, Ferrers
Worte sind reine Poesie, die Handlung bewusst surreal überzogen.
Wären die Episoden Bilder, so könnten sie von Dali oder
Magritte stammen, sagte Milva. Wir folgen dem Geschehen, ahnen Bedeutendes,
ohne es zu begreifen. Die Tango Operita darf nur in spanisch aufgeführt
werden.
Milva ist Maria. Milva liebt den Tango, doch ganz besonders Piazzolla;
ein Genie, neben Kurt Weill für sie der wichtigste Komponist
des 20. Jahrhunderts. Piazzolla widmete "Maria de Buenos Aires"
seiner zweiten Frau. Als er Milva kennen lernte, sah er in ihr die
Maria. Und auch Ferrer attestierte der rothaarigen Italienerin die
wahre Maria zu sein. Gleichwohl dauerte es bis 1999, ehe Milva (in
Palermo und Bozen) ganz in die Rolle schlüpfte. Die Aufführung
im Kölner Schauspielhaus ist indes die erste komplette theatralische
Performance. In Ermangelung des Bühnenbilds dienen projizierte
Exponate des Künstlers Lucio Fontana als Hintergrund. Und Szenen
der letzten politischen Unruhen in Buenos Aires. Was aber, laut
Milva, nicht einen Bezug der Tango-Oper zur Gegenwart herleiten
soll. Wir wissen ja, es ist eine rein surrealistische Hommage an
die Stadt.
Grandiose Körpersprache
Milva verkörpert Maria brillant. Es ist ihr Part, ihr Naturell,
Leidenschaft da zu zeigen, wo sie angebracht ist; nun gut, ein bisschen
mehr darf es bekanntlich sein. Und Melos ins Dramatische zu steigern,
bis in den roten Bereich, das ist ebenfalls ihre Kunst. Milvas Gesang
versinnbildlicht Ferrers Worte, die Diva versucht es zumindest andeutungsweise.
Piazzollas Musik erfasst sie ohnehin, mit einer grandiosen Körpersprache.
Doch Milva erledigt die Arbeit nicht allein. Neben ihr überzeugen
JosÈ Angel Trelles (El Cantor) und Daniel Bonilla Torres
(El Duende). Das Ensemble "TangoSeis" richtet den Tango
nach Piazzollas Mixtur, die Emotionen streng gegliedert und perfekt
im Griff. Ein Tango-Paar bereichert die Szenerie, schließlich
geht es auch um die Gefühle und Expressionen des Tango-Tanzes.
Das Publikum ist begeistert und überhäuft Milva plus Ensemble
mit Ovationen. Warum Köln die Ehre der Uraufführung dieser
Tango-Operita in Deutschland ereilte? Ganz einfach, weil die vorige
Milva-Tour an Köln vorbei ging. Dafür danken wir im nachhinein.
©
Kölner Stadt-Anzeiger
Leggi gli altri articoli su "Maria de Buenos Aires"
|