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A PROPOSITO DI...
MARIA DE BUENOS AIRES 2001,
Bolzano e Sondrio gennaio/febbraio 2001,
regia Emmanuel Bohn

    Dolomiten
9 gennaio 2001
Margit Oberhammer (obe)

"Maria de Buenos Aires" von Astor Piazzolla bei den Vereinigten Bühnen Bozen
TANGO – TRADITIONELL UND IRONISCH


Tango-Operita, Kleine Oper also, hat Astor Piazzolla, der Meister der kleinen Form, sein einziges grösseres Werk genannt. Gemeinsam mit dem Librettisten Horacio Ferrer hat er ein poetisch-surrealistisches Musiktheater geschaffen: 1968 wurde es mit nicht allzu grossem Erfolg uraufgeführt. Mittlerweile steht "Maria de Buenos Aires" unter der Schirmherrschaft des argentinischen Kulturministeriums und Astor Piazzolla wird als Nationalheld gefeiert.
Bei uns ist der Komponist in den 90er Jahren in Mode gekommen und auf den Programmen klassischer Konzerte als Vertreter einer besonderen Spielart der Neuen Musik aufgetaucht. Die ausübenden Musiker zieht er zunehmend in seinen Bann. Von der Piazzolla-Begeisterung angesteckt wirken auch die Mitglieder des Ensembles TangoSeis; ihnen ist es vor allem zu danken, dass die Aufführung der VBB nicht Schiffbruch erlitten hat. Der volle Klang der Streicher, zusätzlich verdichtet durch das Austauschen der Flöte mit der 2. Geige, die harten Synkopen der Schlaginstrumente, die präzisen Rhythmen und genauen Einsätzen, vor allem im schwierigen Klavierpart, sorgen für musikalisches Vergnügen an dieser spannend-traurigen, zwischendurch auch sehr herben und kantigen Komposition. Und nicht zu vergessen das Bandoneon. Was wäre der Tango ohne die kleine Handharmonika? Auch in dem von Piazzolla mit europäischer Kompositionstechnik durchgemischten "Tango Nuevo" taucht es auf.
In der "Maria de Buenos Aires", in der immer wieder ein ironisches Spiel mit traditionellen Tangoformen betrieben wird, symbolisiert das Bandoneon die Seele des "El Duende", des Geister. Das Bandoneon klagt, seufzt, beschwört böse und gute Geister. Es lädt zerstörerische Aggressionen auf sich und erkling immer wieder von neuem. In dieser Aufführung wird es von Milva gestreichelt, die Aggressionen bekommt Milva/Maria ab. Viele Messerstiche bereiten ihrem Leben ein erstes Ende. " Ich bin Maria", singt Milva im 3. Bild, in Wirklichkeit ist sie eine Kopie ihrer Existenz als Diva, mit der vertrauten angerauht-dunklen Stimme in den tiefen Lagen, den vertrauten ausladenden Posen, dem energischen Auftreten.
Was immer die Maria in Piazzollas Werk bedeuten mag, erhellt wird ihre Rolle weder durch die Starbesetzung noch durch die Geschichte des Cantor, einer Art Alter Ego des Librettisten, die ihr die Regie als Mäntelchen umhängt. Emmanuel Bohn möchte einerseits in die Oper eine Menge hineinpacken – unsterbliche, an ihrer Unsterblichkeit und damit Unmenschlichkeit leidende Götter zum Beispiel – und andererseits eine nette, verständliche Geschichte von den italienischen Einwanderern in Buenos Aires erzählen. Auf diese Weise entsteht eine ziemlich hausbackene Balgerei zwischen dem "Gesindel" und der Kunst, eine durch die mikrophonverstärkten und –verzerrten Stimmen der Sänger zusätzlich unterstrichene Mischung aus Musical und Operette, ein durch die Ausstattung hervorgerufener Bühnenrealismus, der art einengt und einschnürt.
Eine Allegorie über die Entwicklung und die Geschichte des Tango stelle ich mir anders vor: Womöglich nur konzertant. Möchte man jedoch Musiktheater auf die Bühne bringen, bedarf es auch des Theaters. Das hat versagt. Entschädigt hat allein die Musik.

© Dolomiten


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