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A PROPOSITO DI...
MARIA DE BUENOS AIRES 2001,
Bolzano e Sondrio gennaio/febbraio 2001,
regia Emmanuel Bohn

    Z
7 gennaio 2001
Edith Moroder

"Maria de Buenos Aires", keine leicht Kost
EMBLEM DES TANGO NUEVO
Wer sich unter der Tango-Operita etwas Beschwingt-Unterhaltsames zu guter Musik vorstellt, muss umdenken. „Maria de Buenos Aires" von Piazzolla/Ferrer ist zwar keine leichte Kost, aber ein musikalischer Leckerbissen.

BOZEN. Dafür sorgt das ausgezeichnete Ensemble TangoSeis, das unter Leitung der Pianistin Vicky Schaetzinger Streicher, Perkussionisten und den virtuosen Bandoneon-Spieler Gilberto Pereyra vereint. Dafür sorgt eine souveräne Milva, die jeden Auftritt zelebriert, und ihre Partner aus dem klassischen Fach, Daniel Bonilla Torres als Duende und Luciano Miotto als Cantor.
Die Handlung selbst bleibt dagegen eher dunkel. Es ist bezeichnend, wie viele Zuschauer das Programmheft und Libretto zu Rate ziehen. Dennoch erschliesst sich diese surrealistische Bilderfolge auch nicht in der Übersetzung. Maria ist nämlich nicht als reale Figur gemeint, sondern als mythisches weibliches Wesen, das alle Lebensphasen in sich vereint; sie stirbt und ersteht neu, erscheint und verschwindet als nächtliche Traumgestalt, die von ihrem Leben, ihren Wünschen und Träumen berichtet, und nur der Geist (Duende) und der Dichter (Cantor), dessen Erfindung sie schliesslich ist, nehmen sie überhaupt wahr. Diese Information geht dem unvorbereiteten Zuschauer jedoch verloren. Dass die Geschichte immer wieder neu ansetzt und Episoden zu oft hermetischen Bildern ausdehnt, muss einem genügen. Statt einer schlüssigen Handlung ein Kreislauf, der immer von neuem beginnen und sich unendlich fortsetzen könnte.
Das Milieu, in dem er sich abspielt, steht dagegen fest: de Hinterhof einer Emigrantenvorstadt von Buenos Aires. Ein Ambiente, das von zwielichtigen Gestalten wimmelt: Gauner und Huren, Bettler und enttäuschte Landflüchtige.
Die 50er Jahre bilden für Regisseur Bohn den sozialen Rahmen. Die Mitglieder des einheimischen Ensembles (Stephanie Brenner, Norbert Eichstädt, Stefanie Haller, Georg Kaser, Linde Prelog, Stephan Wapenhans) agieren als Chor und bewegen sich episodisch auf der Bühne, ohne dass ihre eigene Geschichte mehr als andeutungsweise greifbar würde. Jedenfalls wirkt sie eigentümlich statisch und gespickt mit charakteristischen Kruditäten.
Bohns erklärte Absicht, einmal eine sozusagen überethnische Produktion anzubieten, ist lobenswert und verdient Resonanz. Die Starbesetzung müsste dafür jedenfalls beste Voraussetzungen bieten. Nur dem Ensemble selbst dient die Sache weniger, und die Inszenierung ist so angelegt, dass sie die Geister auch im Publikum scheidet.
So ist man gut beraten, das Musiktheater als solches zu nehmen und sich auf Piazzollas Klangfindungen zu konzentrieren. Nicht umsonst findet seine Musik in den letzten Jahren immer mehr Beachtung. Da gibt es mehr oder weniger versteckte Elemente und Spuren, die in verschiedene Richtungen weisen – ganz ähnlich wie die verschiedenen Bestandteile des Lunfardo, des gemischten Einwanderer-Dialekts, in dem der Originaltext geschrieben ist: vom kammermusikalischen barock über symphonische Anklänge bis zum Jazz, vom feierlichen Oratorium bis zum folkloristischen Walzer ist hier alles drin, was auch eine gewisse Ironie nahe legt 8die sich wahrscheinlich auch auf Ferrers Libretto bezieht). Piazzollas „Tango Nuevo" ist anspruchsvoll, für manche Tratitionalisten ein Sakrileg, aber für europäische Ohren dafür um so reizvoller.

© Z


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