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A PROPOSITO DI...
MILVA - "EL TANGO DE ASTOR PIAZZOLLA" CON TANGOSEIS

    Main-Echo
7.5.2001

ZÜNDELNDE ZAUBERIN
Milva gastierte im Staatstheater Wiesbaden

Die roten Haare sind ihr Markenzeichen. Wild flammen sie über ihre Schultern und die schwarze Robe. Die weiße Haut schimmert im Scheinwerferlicht: Milva betritt die Bühne. Ihre Stimme füllt den Saal mit der zugleich wärmenden und gefährlichen Kraft eines Feuers.
Die Diva des Chansons gastierte im Rahmen der Maifestspiele mit ihrem Programm "El tango de Astor Piazzolla" im Großen Haus des Wiesbadener Staatstheaters. Milva einem Genre zuzuordnen würde bedeuten, ihrer Vielfalt Gewalt anzutun. Die italienische Sängerin steht seit über vierzig Jahren auf der Bühne. Sie hatte Erfolge als Schlagersängerin, aber auch als Brecht-/Weill-Interpretin. Neben Otto Sander spielte sie 1989 in dem Film "Der Himmel über Berlin", in der Tango-Operita "Maria de Buenos Aires" spielt und singt sie die Hauptrolle. In Wiesbaden zeigte sie sich als Interpretin der Lieder von Astor Piazzolla. Peter Brook holte die beiden 1984 nach Paris und begründete die 5-jährige Zusammenarbeit der beiden Künstler.
ƒhnlich wie Milva ließ sich auch Piazzolla von keiner Stilrichtung vereinnahmen. Seine Kompositionen vereinen Elemente von Tango, Jazz und Klassik. Der Rhythmus wechselt, wird gelegentlich vertrackt, ist also nicht mehr tanzbar. Trotzdem atmet seine Musik den Geist des Tangos. Milvas Interpretationen sind auf spanisch-südamerikanische Weise leidenschaftlich und weit entfernt von der schwer entflammbaren anglo-amerikanischen Erotik. Einen Teil des Programms bestreiten die sechs Musiker von "TangoSeis" ohne ihre Frontfrau.
Die temperamentvolle Musik fährt wie ein frischer Wind zwischen das Blattgold und den Plüsch des Großen Hauses. In der Besetzung mit Bandoneon, Violine, Violoncello, Kontrabass, E-Gitarre und Klavier überzeugen vor allem der argentinische Bandoneonspieler Massimiliano Pitocco und die Pianistin Vicky Schaetzinger. Milva brachte das Blut des Wiesbadener Publikums in Wallung.
Einen Herrn im Parkett hielt es nach der Pause nicht mehr auf seinem Platz, stehend und mit ausgebreiteten Armen verkündete er lauthals seine Zuneigung. Zum Abschluss des "Ave Maria" im Tango-Rhythmus legte Milva ihr Mikrofon zur Seite. Die pure Stimme überbrückte den letzten Rest an Distanz. Der immanente Funkenflug zündete, mit stehenden Ovationen verabschiedete das Publikum die Sängerin und wurde nach französischen, spanischen und italienischen Liedern mit einem deutschen Text beglückt. Mikis Theodorakis "Zusammenleben", 1978 entstanden, schloss das Konzert ab.
Draußen war derweil die Wiesbadener Feuerwehr damit beschäftigt, einige Jugendliche von einem Baugerüst am Staatstheater zu pflücken. Die hatten einen Feuerlöscher entwendet und sprühten das Löschpulver in einer großen Wolke über den Park. Ulrike Krickau.

© Main-Echo

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