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A PROPOSITO DI...
MILVA - "EL TANGO DE ASTOR PIAZZOLLA" CON TANGOSEIS
ZÜNDELNDE ZAUBERIN
Milva gastierte im Staatstheater
Wiesbaden
Die roten Haare sind ihr Markenzeichen. Wild
flammen sie über ihre Schultern und die schwarze Robe. Die
weiße Haut schimmert im Scheinwerferlicht: Milva betritt die
Bühne. Ihre Stimme füllt den Saal mit der zugleich wärmenden
und gefährlichen Kraft eines Feuers.
Die Diva des Chansons gastierte im Rahmen der Maifestspiele mit
ihrem Programm "El tango de Astor Piazzolla" im Großen
Haus des Wiesbadener Staatstheaters. Milva einem Genre zuzuordnen
würde bedeuten, ihrer Vielfalt Gewalt anzutun. Die italienische
Sängerin steht seit über vierzig Jahren auf der Bühne.
Sie hatte Erfolge als Schlagersängerin, aber auch als Brecht-/Weill-Interpretin.
Neben Otto Sander spielte sie 1989 in dem Film "Der Himmel
über Berlin", in der Tango-Operita "Maria de Buenos
Aires" spielt und singt sie die Hauptrolle. In Wiesbaden zeigte
sie sich als Interpretin der Lieder von Astor Piazzolla. Peter Brook
holte die beiden 1984 nach Paris und begründete die 5-jährige
Zusammenarbeit der beiden Künstler.
hnlich wie Milva ließ sich auch Piazzolla von keiner
Stilrichtung vereinnahmen. Seine Kompositionen vereinen Elemente
von Tango, Jazz und Klassik. Der Rhythmus wechselt, wird gelegentlich
vertrackt, ist also nicht mehr tanzbar. Trotzdem atmet seine Musik
den Geist des Tangos. Milvas Interpretationen sind auf spanisch-südamerikanische
Weise leidenschaftlich und weit entfernt von der schwer entflammbaren
anglo-amerikanischen Erotik. Einen Teil des Programms bestreiten
die sechs Musiker von "TangoSeis" ohne ihre Frontfrau.
Die temperamentvolle Musik fährt wie ein frischer Wind zwischen
das Blattgold und den Plüsch des Großen Hauses. In der
Besetzung mit Bandoneon, Violine, Violoncello, Kontrabass, E-Gitarre
und Klavier überzeugen vor allem der argentinische Bandoneonspieler
Massimiliano Pitocco und die Pianistin Vicky Schaetzinger. Milva
brachte das Blut des Wiesbadener Publikums in Wallung.
Einen Herrn im Parkett hielt es nach der Pause nicht mehr auf seinem
Platz, stehend und mit ausgebreiteten Armen verkündete er lauthals
seine Zuneigung. Zum Abschluss des "Ave Maria" im Tango-Rhythmus
legte Milva ihr Mikrofon zur Seite. Die pure Stimme überbrückte
den letzten Rest an Distanz. Der immanente Funkenflug zündete,
mit stehenden Ovationen verabschiedete das Publikum die Sängerin
und wurde nach französischen, spanischen und italienischen
Liedern mit einem deutschen Text beglückt. Mikis Theodorakis
"Zusammenleben", 1978 entstanden, schloss das Konzert
ab.
Draußen war derweil die Wiesbadener Feuerwehr damit beschäftigt,
einige Jugendliche von einem Baugerüst am Staatstheater zu
pflücken. Die hatten einen Feuerlöscher entwendet und
sprühten das Löschpulver in einer großen Wolke über
den Park. Ulrike Krickau.
© Main-Echo
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