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A PROPOSITO DI...
MILVA - "EL TANGO DE ASTOR PIAZZOLLA" CON TANGOSEIS
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Wiesbadener
Kurier
07.05.2001
Von KURIER-Redakteur |
Gerd KleeAuf der Tastatur der Temperamente
MILVA ZELEBRIERT DEN TANGO IM GROßEN
HAUS/HOMMAGE AN ASTOR PIAZZOLLA
Mehr als eine Begleitgruppe: "TangoSeis"
Milva und Piazzolla, die Sängerin und der
Bandoneonspieler und Komponist, das ist eine musikalische Liaison
der ganz besonderen Art über Jahre hinweg. Er hat in den achtziger
Jahren eigens für sie Tangos geschrieben, sie ist in seiner
Show "El Tango" in seinem Theater Bouffes du Nord in Paris
aufgetreten, zusammen haben sie ein Live-Album herausgebracht, sie
spielt die Maria de Buenos Aires in seiner gleichnamigen Operita.
Milva bei den Maifestspielen: Standing Ovations im Großen
Haus.
Faszinierend, keine Frage: Wenn sie die Bühne betritt,
gehört der Raum ganz alleine ihr - und sie tut auch alles dazu,
dass das so bleibt. Das Volumen ihre Stimme noch immer beachtlich,
das Timbre unverändert unverwechselbar. Dazu die Inszenierung:
Multilinguale Moderationen, das Spiel mit Gesten, die nur der ganz
großen Diva eigen sind, Zurückgenommenheit ins Naive
jetzt, Explosion ins Laszive gleich darauf, die schwarze Robe, die
rote Robe, wieder die schwarze - das ist die Tastatur der Temperamente,
mit der Milva sich längst den Status einer Ikone des Tango
erworben hat. Sie ist die in sich gekehrte Verschleierte, sie ist
die leidenschaftliche "Verrückte".
Aber irgendwie scheint doch ein kleiner Riss durch diesen Abend
zu gehen. Aufmerksam wird man darauf, wenn das Begleitensemble "TangoSeis"
das Heft und die Musik von Astor Piazzolla ohne die Sängerin
in die Hand nimmt. Da wird es auf einmal sperrig und zerrissen,
angriffslustig und widerborstig, die Melodiebögen werden gebrochen,
die ganze Bandbreite der musikalischen Formen, derer sich der Komponist
von klassischen bis jazzigen bedient hat, kommen zum Vorschein.
Auf einmal sind wir auf der Straße und in der Bar, nicht mehr
auf der Bühne. Das Publikum im Großen Haus findet Gefallen
daran und spendet dem engagierten Sechser-Pack reichlich Beifall.
Doch seine ungeteilte Gunst gehört natürlich dem Star,
der gegen Ende des Abends die leichte Zurückhaltung des ersten
Teils aufgibt und das große Spiel der Emotionen entfacht.
Milva genießt das Bad im Beifall, die Zuhörer heften
sich förmlich an ihre Lippen, die wehenden Enden ihres Kleides
und die Spitzen ihrer noch immer rot strahlenden Mähne: Möge
sie doch jedes Jahr nach Wiesbaden kommen, ruft man ihr zu.
TITELSEITE:
Bravos für Mutter und Milva
Während im Wiesbadener Kurhaus die Geigerin Anne-Sophie Mutter
und die Wiener Philharmoniker gefeiert wurden, gab es im Staatstheater
"standing ovations" für Milva.
© Wiesbadener
Kurier
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