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A PROPOSITO DI...
MILVA - "EL TANGO DE ASTOR PIAZZOLLA" CON TANGOSEIS
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Wiesbadener
Tagblatt
7.05.2001
Von Richard Hörnicke |
Gestaltet bis in jedes Detail
MAIFESTSPIELE I: MILVA UND DAS ENSEMBLE
"TANGOSEIS" IM GROßEN HAUS
"Tun Sie, was Ravel, Strawinsky und Bartok getan haben, die
aus der Musik ihrer Völker etwas Neues, etwas Wunderschönes
geschaffen haben. Sie haben Talent. Mich brauchen Sie nicht mehr."
Diese 1954 an ihren "Schüler" Astor Piazzolla gerichteten
Worte der berühmten Pariser Kompositionslehrerin Nadia Boulanger
markieren die Geburtsstunde des "tango nuevo". In der
Mischung von Elementen des Jazz, klassischer Formensprache und der
synkopierten rhythmischen Struktur des Tangos fand der Argentinier
seine musikalische Heimat, die alle seine Werke, so auch sein vor
einiger Zeit in Wiesbaden aufgeführtes Konzert für Bandoneon
und Orchester, bestimmt. Zu der erfolgreichen Wiedererweckung des
Tangos in bisher unbekannter und von daher oft angefeindeter Art
ist ihm noch das Verdienst anzurechnen, dem Akkordeon einen gleichberechtigten
Platz im Kreis der Instrumente errungen zu haben.
In der "klassischen" Besetzung mit Bandoneon, Violine,
Flöte, Klavier, Kontrabass und Gitarre war das von den Zuschauern
mit Ovationen bedachte Ensemble "TangoSeis" im Großen
Haus des Staatstheaters zu Gast. Ein Maifestspielabend, der ausschließlich
der Gestaltung von Tangokompositionen Piazzolla's gewidmet war und
dem man Authentizität bescheinigen muss. Star des Abends war
Milva, 1984 mit Piazzolla am Pariser Theater Bouffes du Nord engagiert
und von daher mit Stil und Interpretationsart des Tangos bestens
vertraut.
Noch immer weiß die Diseuse mit der Leidenschaftlichkeit und
Differenziertheit ihres Vortrags und dem Charme ihrer Persönlichkeit
zu überzeugen. Perfekt im Ablauf ist die Show, keine Nuance
bleibt dem Zufall überlassen. Allerdings blieben ihre in Italienisch
gehaltenen Ausführungen für einen Großteil des Publikums
unverständlich. "El Tango de Astor Piazzolla" nannte
sich der Abend im überfüllten Haus, und an dem hervorragenden
Sextett "TangoSeis" hätte Piazzolla seine Freude
gehabt. Besser kann man es kaum machen unter den Händen
der versierten Musikanten wurden die beiden Ausdrucksebenen des
Tangos lodernde Sinnlichkeit und melancholisch nachsinnende
Stimmung bestechend realisiert.
Ein passioniertes Musizieren, gleich fesselnd im skandierenden Rhythmus,
dem glutvollen Zugriff und in leisen Passagen. Fast konnte man dank
der Perfektion des Sextetts vergessen, welche Raffinessen sich in
diesen Kompositionen verbergen. Aus dem Kreis der Instrumentalisten
sei der hochvirtuos aufspielende Bandoneonist Gilberto Pereyra stellvertretend
für seine kongenialen Mitstreiter genannt, die in der Faszination
ihres Musizierens diesem Abend Festspielcharakter verliehen.
© Wiesbadener Tagblatt
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