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A PROPOSITO DI...
LA VERA STORIA edizione 2002
di Luciano Berio, testi di Italo Calvino
Regia Henning Brockhaus

    September 2002
Meisterwerk der Postmoderne
von Olaf Dittmann

LA VERA STORIA
Meisterwerk der Postmoderne: In der Staatsoper glänzen Ingo Metzmacher und sein Team mit einer nur selten aufgeführten Berio-Oper



La vera Storia: Die Pappmaschee-Kostüme sind Bestandteil des postmodernen Konzepts
 

Ingo Metzmacher ist mit dem Philharmonischen Orchester und seinem Regisseur Henning Brockhaus in der Postmoderne angekommen: Scheinwerfer hängen vor den Prospekten, während der Arien schieben Bühnenarbeiter die Kulissen hinter den Sängern her, und links vorne steht ein Filmteam aus Pappmaschee, das die ganze Zeit zu sagen scheint: "Hallo, das ist alles ein Fake, "La vera storia" ist keine wahre Geschichte!" Aber grosse Operngefühle waren noch nie echt, und hier wird man an jeder Ecke darauf gestossen. Was aber keineswegs stört: Im Laufe des Abends entsteht aus dem ständigen Andeuten und Zitieren von Motiven aus Verdis Troubadour eine dichte Welt, die fesselt. Nicht zuletzt dank der grandiosen Ausstrahlung Milvas, die schon bei der Uraufführung 1982 als kommentierende Balladensängerin dabei war. Aber eigentlich ist es die exakt durchdachte Arbeit des leitenden Teams, die beeindruckt. Im zweiten Teil nach der Pause gelingt ein Glanzstück: Auf einer Bühnentribüne gegenüber des Saals nehmen etwa 30 Zuschauer Platz, vom Chor aus den Logenplätzen vertrieben. In dem kleinem Raum zwischen dieser Tribüne und dem Orchestergraben wird nun geheuchelt, intrigiert und gehasst – was man eben so von einer Oper erwartet. Luciano Berio hat diesen zweiten Teil ein "Nachdenken über den ersten Teil" genannt.
Und gerade diese unspektakuläre Reflexion – mit fast identischem Text des ersten Teils! - wird dem postmodernen Konzept bis in die höchsten Flötentöne gerecht. Was sich im ersten Teil fragmenthaft explosionsartig Bahn brach, gelang nun über mehr Solostimmen im Orchester und kollektive Gesangs-Parts zur dichten Implosion. Hier glänzt etwa zwei Stunden nach Spielzeiteröffnung das Philharmonische Orchester mit seiner ganzen Klasse, die vermutlich nur Ingo Metzmacher bei einem so schwierigen Werk hervorkitzeln kann.


© Meisterwerk der Postmoderne


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